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PraxisApp - Tipps aus der Praxis

Thema „Patientenorganisation“

  • Gute „Organisation“ der Patienten (Triage der Patienten) mit Arbeitsanweisung für MFA. Diese Kriterien zur Auswahl sollten am besten schriftlich und übersichtlich neben dem Telefonarbeitsplatz liegen, an dem die MFA entscheidet, ob sich der Patient für die Videosprechstunde qualifiziert, eine standardisierte Nachricht, ein Infoblatt erhält usw.
  • Vorteile u.a.:
    1. Schnelle Vorabauswahl: Notfallpatienten lassen sich mithilfe der Videosprechstunde früh erkennen (z.B. Meningokokkeninfektion)
    2. Einsatz der Nachrichtenfunktion für Aufklärung von Fake-News spart Zeit
  • Bildliche Verlaufskontrolle von bestimmten Krankheiten und Therapieanleitung, z.B. bei atopischem Ekzem (Anwendung topisches Steroid), Obstipation (optischer Befund Bauch, Hinweis auf Wichtigkeit der konsequenten Anwendung von Medikamenten)
  • Datenschutz:
    • Patienten stimmen zu
    • Bilder der Patienten sind geschützt
    • Arzt gibt nicht private Kontaktdaten heraus (wie bei WhatsApp)

Arzt-Bericht zum Einsatz der PraxisApp in der Pädiatrie-Praxis:

Wir nutzen die PraxisApp auch gerne. Mittlerweile können wir dort mit vielen unserer Patienten gut zusammenarbeiten. Die Nachrichtenfunktion nutzen wir z.B., um die immer wieder kursierenden Fake News (wie etwa "Masken machen Lungenpilz") rasch einzufangen. Das ist m.E. besser und ressourcenschonender, als morgens 20 Anrufe mit immer der gleichen Leier zu beantworten. Auch die Videosprechstunde funktioniert hervorragend. Wichtig ist hier m.E. eine gute Triage der Patienten. Diese sollte auch schriftlich und übersichtlich neben dem Telefonarbeitsplatz liegen an dem die MFA entscheidet, ob sich der Patient für die Videosprechstunde qualifiziert.

Besonders bieten sich dafür Kinder an, die man einfach nochmals sehen wollte, z.B. eine Verlaufskontrolle bei atopischem Ekzem. Da kann man sich das doch super zeigen lassen und die Eltern instruieren, wie etwa mit dem topischen Steroid weiter zu verfahren ist. Das gibt den Eltern ein gutes Gefühl. Und...die Patienten müssen tatsächlich nicht in die Praxis kommen, was teilweise Anfahrten von 45min sind...dazu das immer vorhandene Infektionsrisiko. Ähnlich ist es mit obstipierten Patienten...wie oft kommt es vor, dass das Macrogol eben NICHT mehr konsequent genommen wird und die Kinder dann nach 6 Monaten schon wieder in der Notfallambulanz stehen? Ehrlich? Wir sehen die deswegen alle nach 2-4 Wochen erneut und besprechen, wie das mit dem Kacka so ist. Auch dafür ist die Videosprechstunde gut...okay...geht auch am Telefon, aber Video ist eben auch möglich und man kann sich z.B. den Bauch auch zeigen lassen. So manches Abdomen ist nach konsequenter stuhlerweichender Therapie schon optisch viel schlanker...da brauche ich gar nicht draufdrücken.

Von einem Kollegen wurde das fast unvermeidliche Beispiel einer invasiven Meningokokkeninfektion genannt. Dass es bei Ihnen so gut gelaufen ist, ist spitze. Ich kann Ihnen aber aus meiner nicht ganz kurzen Zeit auf Intensivstationen versichern, dass ich mehr als nur einen Fall im Kopf habe, an dem der Patient morgens den Kinderarzt angerufen hat und aufgrund einer fieberhaften Symptomatik um einen Termin gebeten hat. Dieser war dann um 15 Uhr, das Kind pünktlich um 17 Uhr bei uns an der Klinik...mit einem septischen Krankheitsbild. Da könnte es durchaus von Vorteil sein, wenn man sich so ein Kind mal kurz über die Videosprechstunde zeigen lässt. Ob das jetzt die MFA oder Arzt macht, das ist mir einerlei...aber da schlägt das Video durchaus das Telefon. Mit einem geschulten klinischen Blick kann man so durchaus Erkenntnisse gewinnen, die man am Telefon NICHT erhält. Wer von uns kennt nicht die Situation, dass man das Behandlungszimmer betritt, gemeldet ist "Kind krank", und dann erschrickt man schon bei der Ansicht des Kindes?

Die aktuelle Situation bietet neben der klaren Ansicht auf viele Probleme auch durchaus Chancen. Chancen, wie wir uns als Mediziner weiter entwickeln können. Der Goldstandard wird sicherlich der direkte Kontakt zwischen dem Patienten und dem Arzt sein. Das wird m.E. auf absehbare Zeit auch nicht durch Technik verdrängt werden. Aber eine strukturierte Kommunikation mit dem Patienten über einen definierten technischen Kanal, das ist doch ein gutes weiteres Tool, was wir nutzen können und sollten. Erschrocken bin ich über die Tatsache, dass das wirklich teilweise via WhatsApp gemacht wird. Daran stören mich im Wesentlichen zwei Dinge: Erstens ist völlig unklar, wo die Daten und Bilder unserer Patienten da so landen. Da wird die PraxisApp sicherlich wesentlich besser sein. Auch stört mich, dass dazu die Patienten unsere Handynummer brauchen, die gebe ich tatsächlich äußerst ungern heraus, so dass ich solche Anfragen eigentlich nur von engen Bekannten oder Freunden erhalte. Und das dann auch abseits der Praxiswirklichkeit.

Dr. Stephan Schwarz, Kinder- und Jugendarzt in Günzburg